Podcast und Magazin

Eva Howitz über Besuchbarkeit, lokale Textilproduktion und textile Bildung (Podcast #046)

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Aktualisiert am 17. Oktober 2026.

Wir gehen davon aus, dass die Kleidung, die es in Läden zu kaufen gibt, in Billiglohnländer im globalen Süden und Osten produziert wurde. Dass es mitten in Europa noch eine lebendige, erstaunlich vielfältige Textilindustrie gibt, wissen die wenigsten. Das will Eva Howitz ändern.

Eva Howitz lässt als Modedesignerin ihre gesamten Kollektionen zur Gänze in Sachsen produzieren – inklusive Socken und Schuhe! Sie ist Mit-Gründerin der Initiative lokaltextil und ist derzeit für Marketing und Research im Projekt textil trainer zuständig (TU Chemnitz, Professur Textile Technologien). 

Jetzt haben wir uns erstmals zu einem ausführlichen Gespräch getroffen und dabei über unsere liebsten gemeinsamen textilen Themen geplauscht: Regionale (lokale) europäische Textilproduktion, biologisch abbaubare Materialien und zirkuläres Design. 

Evas Webseiten und Initiativen

Weiterführende Links: 

Von der Modenschau in Moskau zur Strickerei im Erzgebirge

Eva studierte Conceptual Fashion Design an der Burg Giebichenstein in Halle, arbeitete in Antwerpen bei Walter Van Beirendonck und gründete mit einem Freund das Label Howitz Weisbach. Die Kollektionen haben sie international auf Messen in Paris, Mailand, Tokio und London präsentiert, von Beginn an komplett lokal im Erzgebirge produzieren lassen, rund 90 Kilometer von Leipzig entfernt. Socken wurden in der Nähe gestrickt, Schuhe in Weißenfels gefertigt, einer traditionsreichen Schuhstadt.

Daraus entstand ein Begriff, der sich durch Evas ganze Arbeit zieht: die Besuchbarkeit. Statt abstrakt von „Transparenz zu sprechen“, geht es ihr darum, hinfahren zu können, sich alles anzuschauen und selbst zu erfahren, wie ein Kleidungsstück entsteht.

„‚Geht nicht‘ gibt’s nicht! „, sagte Eva. „Das funktioniert! Wir können euch das zeigen, und wir können da hinfahren. Und wir sind so transparent, dass es richtig anstrengend ist.“ 

lokaltextil: Die textile Vielfalt sichtbar machen

Eva und ihre Mitstreiterinnen kannten zahlreiche sächsische Betriebe, von Färbereien über Spinnereien bis zu Jacquard-, Flach- und Schaftwebereien, Strickereien und Veredlern. Doch kaum jemand außer textilen Expert:innen wusste davon. Manche internationale Modehäuser kannten die Expertise sächsischer 3D-Strickereien besser als die Region selbst.

Gleichzeitig steht diese „textile Diversität“ im Osten Deutschlands unter Druck. Billigimporte, steigende Löhne und vor allem der historische Bruch nach der Wende setzen der Branche zu: In Ostdeutschland arbeiteten 1989/90 rund 366.000 Menschen in der Textilindustrie, heute sind es nur noch etwa 11.500. Hinzu kommt ein Imageproblem, denn durch Fast Fashion gilt die Branche als wenig attraktiv, und der Nachwuchs fehlt.

Die Initiative lokaltextil holt die bestehenden Betriebe vor den Vorhang, beschäftigt sich auch mit der Verarbeitung regionaler Fasern wie Wolle und Flachs, bündelt auf so genannten „Materialtischen“ textiles Wissen in leicht verständlicher Form, Exkursionstipps, Kontakte zu Expertinnen und Best-Practice-Beispiele.

Aus der Initiative entstand auch das handgezeichnete Kinderbuch „Hunderunde – Wie weit wir für unsere Kleidung gehen“, das in sechs Kapiteln von lokaler Wertschöpfung erzählt.

Gute Geschichten statt KI-Bilder

Im Gespräch sind wir auch an dem Punkt gelandet: Gute Produktion allein reicht nicht. Betriebe müssen ihre Geschichten erzählen, mit echten Bildern statt KI-generierter Ästhetik. Eva nennt als Beispiel eine Leinenweberei in Neukirch, die einzige verbliebene Leinenweberei Deutschlands, deren Jacquard-Bettwäsche so langlebig ist, dass man „qualitativ am eigenen Ast sägt“. Genau daraus ließe sich eine starke Botschaft machen: ein Textil fürs Leben.

Gabriele ergänzt aus ihren Erfahrungen mit dem Projekt AUTwool: Zeigen, dass es geht, ist das eine, Marketing und Vertrieb sind etwas ganz anderes. Man braucht jemand, der Marketing gut kann und gerne macht, der die Geschichten und Produkte an die passende Zielgruppe bringt. Denn solange wir in diesem Wirtschaftssystem bleiben, muss man auch Dinge verkaufen.

Der textil trainer: Fundiertes Textilwissen, kostenlos

Besonders ans Herz legt Eva den Hörerinnen den textil trainer, eine EU-geförderte Lernplattform der TU Chemnitz, bei der sich Interessierte kostenlos registrieren können.

Ursprünglich wurde die Plattform entwickelt, um die Ausbildung von Fachkräften für die Textilindustrie zu unterstützen. Inzwischen bietet sie rund 45 Kurse: von Faserkunde über die textile Kette bis zu zirkulären Designprinzipien.

Ein Kurs widmet sich der textilen Museumswelt Sachsens, inklusive textiler Schnitzeljagd durch zehn Museen und Verbindungen zu noch produzierenden Betrieben. Ein neuer, mit der Leuphana Universität Lüneburg entwickelter Kurs nimmt Elasthan unter die Lupe, ein Material, das zu 85 Prozent aus Polyurethan besteht und Kreislauffähigkeit oft unmöglich macht. Die Inhalte sind wissenschaftlich belegt, zweisprachig, interaktiv und enden mit Quiz und Zertifikat.

Schlagworte: lokale Textilproduktion, lokaltextil, textil trainer, textile Bildung, Besuchbarkeit, Transparenz in der Lieferkette, Textilindustrie Sachsen, Textilmuseen, Cradle to Cradle, zirkuläres Design

KI-Disclaimer: Für diesen Text habe ich

  • das Gespräch von meinem Aufnahme-Programm Riverside transkribieren lassen;
  • das Transkript manuell korrigiert;
  • die korrigierte Fassung von Claude zusammenfassen lassen;
  • und die Zusammenfassung wieder manuell überarbeitet für den finalen Text hier im Blogpost.

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