Alpaka, Guanako, Lama und Vikunja

Faserserie: Südamerikanische Kamele (Podcast #033)

Aktualisiert am 14. Mai 2024.

In Südamerika wird zwar auch viel Merinowolle erzeugt, die dort vorherrschenden Fasern stammen jedoch von einigen einheimischen Kleinkamelarten: dem Alpaka, dem Vikunja, dem Guanako und dem Lama. Wir sprechen in dieser Folge über die Erzeugungsbedingungen und die Eigenschaften dieser Fasern.

Die südamerikanischen Kleinkamelarten Alpaka, Vikunja, Guanako und Lama leben in den Hochlagen der Anden in Ecuador, Bolivien, Peru, Chile und Argentinien. Sie sind so eng miteinander verwandt, dass die Abstammungsverhältnisse lange Zeit unklar waren. Neuere DNA-Analysen zeigten, dass Alpakas wahrscheinlich eine schon seit sechs- bis siebentausend Jahren domestizierte Form des Vikunjas sind, einer kleineren Kamelart, die schon zu Zeiten der Inkas wegen ihrer außerordentlich feinen, goldbraunen Wolle geschätzt wurde. Lamas hingegen sind enger mit dem wild lebenden Guanako verwandt.

Alpakas wurden und werden hauptsächlich wegen ihrer hochwertigen Wolle gezüchtet, dienten früher aber auch als Fleischlieferanten. Die Wolle kommt in vielen natürlichen Brauntönen vor und ist weniger drahtig und elastisch als Schafwolle, da die Haare nur eine geringe Kräuselung aufweisen. Als Handstrickgarn oder als Material für Feinstrickpullver sind die Fasern sehr verbreitet und meistens auch relativ günstig. Alpakas werden in Herden im Hochland zwischen 3500 und 5000 Metern gehalten. Sie sind an die Bedingungen dort perfekt angepasst: Sie fühlen sich bei Temperaturen unter 20 Grad am wohlsten und kommen mit den kargen Gräsern gut aus, die dort wachsen. Nach der Ankunft der Spanier in Südamerika, die Merinoschafe mitbrachten, wäre das Alpaka zwischenzeitlich fast ausgestorben. 2018 gab es aber allein in Peru wieder etwa 3,5 Millionen Tiere, 80 Prozent aller Alpakas weltweit.

Gabi Brandhuber mit Alpakadame Susi, von der die hellbraune Wolle in Gabis Mütze stammt. (Besuch bei Langzwettler Alpakas in Oberösterreich.)

Vikunjawolle ist auch heute noch ein Luxusprodukt und kommt nur in kleinen Mengen in den Handel. Da die Tiere wild in kleinen Herden leben, höchstens alle zwei Jahre geschoren werden und nur zwischen 250 und 500 Gramm Wolle pro Tier gewonnen werden können, ist Vikunjahaar eine der teuersten Naturfasern. Und eine der feinsten: Mit durchschnittlich 12 Tausendstel Millimeter Durchmesser sind die Fasern feiner als Kaschmirwolle. In den 1960er-Jahren war der Vikunja-Bestand auf wenige tausend Tiere zurückgegangen. Heute leben etwa 350.000 Vikunjas in Ecuador, Peru, Bolivien, Chile und Argentinien, meistens in Hochlagen zwischen 3500 und 5000 Metern. Sie sind streng geschützt, und die Gewinnung der Wolle ist stark reglementiert. 2009 kamen weltweit nur etwa 6000 Kilo Vikunjawolle auf den Markt. Sie wird meistens in Europa zu sehr hochwertigen und teuren Anzug- und Mantelstoffen verarbeitet.

Lamas sind in erster Linie Tragetiere und Lieferanten von Fleisch und Brennstoff, sie haben aber auch eine dichte Wolle, deren Unterwolle der Alpakawolle ähnelt. Sie ist allerdings etwas grober und wird eher zu Decken als zu Bekleidungsstoffen verarbeitet. Die oberen Grannenhaar ist für Teppiche geeignet. Guanakos, ihre wilden Verwandten, leben in kleinen Herden vor allem im Süden Chiles und Argentiniens. Auch ihre Wolle kommt in kleinen Mengen in den Handel, und auch sie wären nach Ankunft der Spanier fast ausgestorben, da sie von Schafen verdrängt wurden. Im 19. Jahrhundert wurden Guanakos außerdem zu Tausenden geschossen, da ihr Fell in Europa als Material für Kutsch- und Autodecken sehr beliebt war.

Besuch bei Wieserhof-Alpakas (c) Heidi Liebminger

Die Haltung von Alpakas und Lamas in kleinen Herden im Hochland in einer Form, wie sie seit Tausenden von Jahren praktiziert wird, führt, anders als exzessive Schafhaltung, nicht zur Zerstörung des ökologischen Gleichgewichts in diesen Regionen und stellt eine gute Einkommensquelle dar. Die Tiere beweiden relativ große Flächen, die nicht weiter landwirtschaftlich genutzt werden können. Alpakahirten haben sich oft zu Kooperativen zusammengeschlossen und kümmern sich selbst um die Vermarktung der Fasern. Alpakawolle aus Südamerika kann daher – trotz der langen Transportwege – eine verhältnismäßig umweltfreundliche Alternative zu Merinowolle sein.

In Europa wurde Alpakawolle in den letzten Jahren beliebt als Nischenprodukt. Die knuffigen Tiere werden vorwiegend als Therapietiere gehalten, für Wanderungen und zur Zucht. Auch in Europa beweiden sie Hänge, die für andere Tiere nicht begehbar sind. Da sich die Tiere dem Klima anpassen, und es bei uns wärmer ist als in Südamerika auf 3500 bis 5000 Metern, ist die Wolle, die von Europäischen Alpakas gewonnen wird, gröber und nicht so warm wie die aus Südamerika. Wolle ist halt einfach ein Naturprodukt, das ganz klar von den Umgebungsbedingungen beeinflusst wird.

Hier findest du Bauernhöfe und Geschäfte, bei denen du regionale europäische Alpakawolle kaufen kannst.

Quellennachweis: Das Titelbild zeigt Abbildungen aus „Die Säugthiere in Abbildungen nach der Natur. Expedition des Schreber’schen Säugthier- und des Esper’schen Schmetterlingswerkes“, Erlangen 1774-1846.

  • 0:01:31 Wildformen und Zuchtformen
  • 0:06:25 Nutzung in Südamerika: große Höhen, viele Tiere
  • 0:08:31 Feinheit der Fasern
  • 0:10:05 Vikunja: Feinste und teuerste Faser der Welt; Guanako: Fell;
  • 0:14:28 Verarbeitung der Faser: glatt, flutschig, warm; kein Wollfett, sauber
  • 0:19:25 Ökobilanz: Weite Reise, extensive Haltung, bäuerliche Kooperativen
Gabriele

Herzlich willkommen, Constanze. Ich bin schon sehr gespannt, was du uns heute über die Haare von Kamelen erzählen kannst.

Constanze

Ja, hallo. Also es geht um Neuwelt-Kamele, Kamele aus Südamerika. Genauer gesagt das Alpaka, das Lama, das Vikunja und das Guanako.

Gabriele

Aha, spannend. Also Alpaka, in den letzten Jahren ist ja ein Alpaka-Hof nach dem anderen aufgepoppt, in Deutschland und Österreich. Die kennt man vielleicht noch eher. Aber die anderen? Weiß nicht? Also ich schon! Weil ich habe Ethnologie studiert und war Südamerika-Spezialistin. Also mir sind die ein Begriff, aber ich bin ganz sicher, dass ich da noch ganz viel von dir heute erfahren werde über diese Tiere.

Constanze

Dann fangen wir vielleicht mit dem Alpaka und dem Vikunja an. Ich finde das ganz spannend, dass Alpaka-Wolle ja schon allgegenwärtig ist. Auch wenn man einfach konventionelle, gefärbte Strickwolle kauft, die auch gar nicht Bio oder irgendwas Besonderes ist, da gibt es ja schon viel Alpaka. Und von den anderen Fasern hört man nicht so viel. Und ich habe mich immer gefragt: Wie hängen diese vier Tiere eigentlich zusammen? Also wie sind sie verwandt? Und man vermutet, dass das Alpaka im Grunde wohl eine Zuchtform des Vikunjas ist. Das lässt sich aber heute relativ schwer feststellen. Das hat man erst durch DNA-Untersuchungen herausgefunden, dass die Verwandtschaftsverhältnisse vermutlich so sind. Es können sich nämlich alle vier Tiere – also Alpakas, Vikunjas, Guanakos und Lamas- untereinander vermehren können. Da gibt es auch ganz viele Kreuzungen, und es gibt wohl auch Alpaka-Sorten, die mit Lamas gekreuzt werden, damit die Tiere größer werden. Da wird dann aber auch wieder die Wolle gröber. Und das Alpaka ist das größte von den Vieren. Das Vikunja ist wie ein zierliches, kleineres Alpaka, und wird auch in Herden gehalten. Während das Guanako, das ist die Wildform des Lamas, vermutlich, ist auch ein relativ kleines, zierliches Tier. Das lebt wild in Herden, bis Patagonien. Während das Lama eine Zuchtform ist, die wahrscheinlich schon seit mehreren 1000 Jahren domestiziert ist, und auch viel als Tragetier verwendet wird.

Gabriele

Ja. Ich müsste nachschauen! Es gibt in Südamerika eine Bauernvereinigung, die wild lebenden Vikunjas einmal im Jahr einfängt, um Haare von denen zu gewinnen, und dann aber wieder frei laufen lässt. Und was mir aus dem Studium noch hängen geblieben ist: Dass alle diese Tiere überhaupt keine Reittiere sind. Das Lama kann zwar Lasten tragen bis zu einem gewissen Grad, aber das Rückgrat dieser Neuwelt-Kamele ist viel zu schwach, um einen Menschen zu tragen. Also im Unterschied zu denen Kamelen, die in Asien und im Nahen Osten beheimatet sind.

Constanze

Genau, das kann man vielleicht noch kurz sagen, dass diese sogenannten Neuwelt-Kamele keinen Höcker haben, und eine Schulterhöhe von zwischen 90 Zentimeter und 1,20 Meter und sind um die 2 Meter lang. Die Lamas noch ein bisschen größer. Und die haben ja auch keine Hufe, sondern zweipaarige Klauen. Und sind zu früheren Zeiten, also zu Inka Zeiten auch wegen des Fells, wegen der Haare, und auch als Fleischlieferanten gezüchtet worden. Und zum Teil als Lasttiere, aber das nur begrenzt.

Gabriele

Das finde ich sehr spannend, weil es gibt in Graz immer im Januar oder Februar eine World Alpaka Expo, wo aus der ganzen Welt Experten herkommen. Da waren auch Leute aus Südamerika da, die Fasern bestimmen, und die Faserfeinheit. Das finde ich deswegen so spannend, weil da geht es ganz viel um die Zucht, da geht es ganz viel um Landwirtschaft, da kann man auch Felle und Wolle, und auch Mützen und alles Mögliche aus der Alpakawolle erwerben. Und auf der anderen Seite ist die Mode. Aber das Fleisch wird jetzt – soweit ich weiß – in Europa bei den ganzen Alpaka-Züchtern gar nicht verwendet.

Constanze

Nein. Das habe ich auch noch nie gehört. Aber wahrscheinlich gibt es da auch überhaupt keine Möglichkeiten, das jemals in den Handel zu bringen. Das müsste man noch mal recherchieren, wie da die Bestimmungen sind. Also nicht nur, dass es nicht eingeführt ist, und das wahrscheinlich die wenigsten Leute kaufen würden, gibt es vermutlich in dem Fall auch überhaupt keine Handelsklassen und Zertifizierungen usw., was man halt für Lebensmittel braucht.

Gabriele

Und was ich gehört habe, eignen sich all diese Neuwelt-Kamele ganz gut zur Beweidung von relativ steilen Hängen, weil die das Gras auch nicht so stark abfressen. So ähnlich wie Ziegen und Schafe sind die ganz gut, öko- und umwelt-technisch.

Constanze

Genau. Es ist auch so, dass sie auf die großen Höhen in Südamerika angepasst sind. Alpakas und ihre Verwandten können bis auf 5000 Meter Höhe leben.

Gabriele

Wow!

Constanze

Es gibt ja gerade in Peru und Bolivien, wo die meisten dieser Tiere leben, auch nicht so viel Fläche, die unter 3000 Meter liegt. (lachen) Ich habe ein paar Zahlen nachgeschaut: Wenn man sich das klar macht, dass allein in Peru wohl im Moment 3,5 Millionen Alpakas gehalten werden, das ist 80 % der weltweiten Alpaka-Bevölkerung, ist es klar, dass die Flächen genutzt werden, die man landwirtschaftlich anders nicht nutzen kann. Das heißt die hoch liegenden Flächen. Und die Tiere sind sehr gut drauf angepasst, an diese Höhen, und haben deswegen ja auch diese weiche, sehr feine Unterwolle, um sich gegen die Kälte zu schützen. Was ich bei der Recherche noch sehr interessant fand, dass diese domestizierten Formen – also das Lama und das Alpaka – wohl schon seit 6000-7000 Jahren als Haustiere gehalten werden. Also wirklich schon zu Inka-Zeiten. Und dass die Spanier aber Schafe mitgebracht haben, als sie Südamerika unterworfen haben. Und das dazu geführt hat, dass sie fast ausgestorben waren. Die Schafe haben alles verdrängt. Man hat den „Eingeborenen“ auch nicht zugestanden, die Flächen zu nutzen für ihre Tiere, sondern hat da überall Schafe weiden lassen, wo es ging. Und das hat dazu geführt, dass es kaum noch Alpakas gab. Nur ganz kleine Herden. Und das ist erst in den letzten Jahrzehnten, wo man auch angefangen hat, die Wolle als Naturprodukt wieder wertzuschätzen, dazu gekommen, dass sie wieder vermehrt gezüchtet werden. Und dass es auch jetzt wieder viele Tiere gibt.

Gabriele

Sehr spannend. Ja, das mit der Faserfeinheit, das ist auch etwas, was mir in den letzten zwei Jahren, seit ich dieses Textilportal mehr betreibe, untergekommen ist. So wie du sagst: Nachdem die in Südamerika auf so großen Höhen leben, haben sie eine sehr, sehr feine Unterwolle, um sich gegen die Kälte zu schützen. Und wie bei allen Tierhaaren – ich glaube, bei den Merinoschafen haben wir das auch schon mal gesagt – ein Merino-Landschaf, das in Deutschland lebt, wird niemals so eine feine Wolle haben wie das in Spanien. Weil Wolle, oder halt Tierhaar, ist ein Naturprodukt. Und die Tiere, die hier bei uns leben und gezüchtet werden, die passen sich auch den klimatischen Gegebenheiten bei uns an. Und insofern unterscheidet sich das Haar, das man von einem Alpaka hier abscheren kann, ganz deutlich von dem in Südamerika. Und was du auch gesagt hast: Wie viele Millionen?

Constanze

3,5 Millionen allein in Peru?

Gabriele

Viele, viele Millionen. Das macht es für mich auch deutlich, oder verständlicher, warum so viel Alpaka-Wolle, die man zum Stricken kaufen kann, oder auch andere Alpaka-Produkte von relativ bekannten Marken, warum die alle aus Südamerika kommen? Weil es dort am meisten davon gibt.

Constanze

Ja, genau. Die Zahl, die ich noch gefunden habe, war, dass in Deutschland 2018 wohl ungefähr 20.000 Alpakas gehalten wurden. Es ist klar, dass man damit nicht den Faserbedarf decken kann. Dass das auch in den Handel kommen kann, aber immer nur in kleinem Maßstab. Nochmal zu der Faserfeinheit, das ist wirklich ganz spannend. Das Vikunja gilt ja als die teuerste und feinste und beste Wolle der Welt. Das erreicht tatsächlich Kaschmirqualitäten. Und dass die nur alle zwei Jahre geschoren werden, und dass man nur 250-450 Gramm Haar pro Tier gewinnt. Und das ist der Grund, weswegen das als die absolute Super-Edel-Faser gilt. Sehr kleine Mengen von kleinen Tieren, die nur alle zwei Jahre geschoren werden, aber unglaublich fein.

Gabriele

Spannend.

Constanze

Da war es auch so, dass die Tiere Anfang des 20. Jahrhunderts fast ausgestorben waren, und es nur noch ganz kleine Bestände gab, und dass sich das dann aber auch wieder erholt hat. Gerade beim Vikunja gab es auch gezielte Zuchtprogramme, um diese Herden wieder aufzubauen. Und vom Guanako, das ist das wildlebende Kamel, das bis Chile, bis zur Südspitze Südamerikas lebt, wurden hauptsächlich die Felle verwendet. Die Haare kann man nicht so gut verspinnen, weil die relativ kurz sind. Und diese Felle waren im Pelzhandel eine Handelsware. Da gab es auch in Europa Pelzmäntel draus, und Sofadecken, und Autodecken und sowas. Und die wurden auch ziemlich dezimiert.

Gabriele

Ich wollte gerade sagen: Das klingt auch nach etwas, wenn man da das Fell verwendet: „Oh! Das ist weich, das ist teuer, das ist selten. Lasst es uns ausrotten!“

Constanze

Sie sind wild lebend. Genau! Früher waren sie massenhaft. Man sagt, dass es, als die Spanier in Südamerika ankamen, ungefähr 50 Millionen wilde Guanakos gegeben hat. Die waren wahrscheinlich echt überall, wo keine Menschen gelebt haben. Stell ich mir so vor. Und dass die von Schafherden verdrängt wurden, die sich in ihrem Lebensraum breit gemacht haben. Und dadurch auch [die Guanakos] dezimiert wurden, und abgeschossen wurden. Und dass es heutzutage wohl noch 60.000 Guanakos gibt.

Gabriele

Wow! Oh, mir wird schon wieder ganz heiß und kalt. Ich kriege Gänsehaut von… Was die Geschichte immer mit der Verdrängung von [einheimischen] Tierarten durch [einführte Tierarten] angeht.

Constanze

Ja, dass das immer noch damit einhergeht.

Gabriele

Sehr spannend. Ich habe ich habe noch einen Alpaka-Bauern im Ohr, wo ich das erste Mal so richtig mit Alpaka in Berührung gekommen bin. Das war bei einer Messe in Wien, und da gab es von einem Bauernhof in Oberösterreich – mit denen habe ich dann später auch eine Reportage gemacht. Die hatten selbst gesponnene Wolle von den eigenen Alpakas. Und ich fand das so entzückend, weil da stand der Name des Tieres drauf. Also ich habe Wolle gekauft, schwarz von Fernando und weiß von (ich weiß es nicht mehr). Das war so großartig! Und ich habe mir daraus eine Mütze gestrickt von diesen drei, wo ich wusste, woher das kam. Das fand ich so toll, dass das nachvollziehbar war. Und ich habe noch den Bauern im Ohr, der gesagt hat: In Europa ist Alpaka ein geiles Nischenprodukt. Nachdem es relativ wenig gibt. Und weil die Faser doch, im Vergleich zu einheimischer Schafwolle, relativ weich ist und fein, gibt es einen Markt dafür. Viel Interesse.

Constanze

Da ist glaube ich was dran, dass es auch tatsächlich aus ökonomischer Sicht eine lohnende Investition sein kann. Und dann sind sie auch Sympathieträger. Und sie können tatsächlich auch auf Weiden leben, die für andere Tiere vielleicht nicht das beste Gras bieten. Die sind sehr genügsam.

Gabriele

Und sie sind halt auch entzückend, wenn man mit ihnen… Sympathieträger. Alpaka Wanderungen: ich habe noch keine gemacht, aber ich kann mir vorstellen, dass das sehr nett ist mit denen Spazieren zu gehen.

Constanze

Ja, ich könnte mir das auch gut vorstellen. Und die Haare von Alpakas haben keinen Wollfett. Das ist wohl für einige Leute, die darauf allergisch sind, auch vorteilhaft.

Gabriele

Ja. Wobei… Kommen wir ein bisschen zur Verarbeitung von den Fasern? Wir haben schon gesprochen von Strickwolle, aber auch fertigen Socken und Jacken usw., die vorwiegend aus Südamerika importiert werden. Ich habe mit einer Spinnerei in Tirol, im letzten Herbst, als ich diese Wollreise gemacht habe, [gesprochen]. Der Leiter der Spinnerei war gar nicht so begeistert von Alpaka, weil er sagte die Faser ist so glatt, so flutschig, dass er sie eigentlich pur gar nicht verarbeiten kann. Und das war für mich auch ein Aha-Moment. Da habe ich nämlich verstanden, warum Alpaka ganz oft mit Schafwolle gemischt wird. Weil das so eine glatte Faser ist, dass einzelne Haare auch manchmal beim Stricken rausfallen. Weil sie so glatt sind. Und auch dadurch, dass sie so glatt sind, der Faden wenig zugfest ist. Ich habe mir einmal eine Jacke aus reinem Alpaka gestrickt, und als ich sie zum ersten Mal anzog, und den Arm gehoben habe, ist es unter der Achsel gerissen. Einfach weil der Faden das nicht so gut aushält. Deswegen, wenn ich Alpaka kaufen würde, würde ich eher auch auf gemischtwollige [Garne] gehen.

Constanze

Ja, das stimmt. Die Haare vom Alpaka haben nicht so diese interne Kräuselung, die Schafwolle hat. Die dazu führt, dass Schafwolle sich quasi von selber schon umeinander legt, wenn sie versponnen ist. Und Alpaka ist glatter. Und ich finde, man merkt es beim Stricken auch, wenn man da plastische Muster strickt, Zöpfe oder so was: Das hat nicht so ganz diese drahtige Elastizität [wie Schafwolle], würde ich sagen. Also dass solche Strukturmuster gut rauskommen. Sondern das ist alles so ein bisschen „labberiger“, um es unprofessionell auszudrücken. Aber ich finde, das gibt den Eindruck ganz gut wieder, wenn man mit einem Alpaka-Garn strickt. Dass man schon merkt, dass diese Faser an sich nicht diesen Drall hat, nicht diese Elastizität.

Gabriele

Der „Crimp“ fehlt. [Crimp = Bezeichnung für Kräuselung bei Schafhaar]

Constanze

Ja, genau. Gibt es ein gutes deutsches Wort dafür?

Gabriele

Ein deutsches Wort für Crimp? Die Kräuselung? Ich glaube einfach Kräuselung. Und Alpaka-Fasern sind nicht gekräuselt.

Constanze

Oder weniger gekräuselt.

Gabriele

Kennst du denn Beispiele für Lama-Strickwolle?

Constanze

Nein, eigentlich nicht. Lamawolle ist im Vergleich relativ grob, das ist grober als Alpakawolle. Das wird mehr zu Decken und Teppichen verarbeitet. Das sind diese Wollklassen, die man eher nicht für Kleidung nimmt, sondern für gröbere Sachen. Aber das ist auch ein relativ kleiner Markt. Ich glaube, da kommt gar nicht so viel aus Südamerika zu uns.

Gabriele

Ich wüsste es jetzt gar nicht. Mir fällt gerade noch ein zum Spinnen, oder zur Verarbeitung von Alpakawolle. Du hast ja schon gesagt: Alpaka hat nicht dieses Wollfett. Das heißt, die ist von vornherein – für Spinnerinnen oder so – auch viel sauberer [als Schafwolle]. Und ich habe das auch gesehen, dass die teilweise direkt, vom Alpaka geschoren, direkt verarbeitet werden kann. Die muss gar nicht unbedingt vorher gewaschen werden, außer es ist extrem staubig. Also es ist eher staubig als fettig, interessanterweise.

Constanze

Ja genau. Da klebt dann auch nicht alles dran. Wenn es nicht so fettig ist, dann nimmt das ja gar nicht so viel Umgebungsstaub auf.

Gabriele

Zusätzliches, noch. Ja, genau. Und wenn man nicht die Alpakas einstaubt mit Streu, oder das auf die drauf wirft, dann ist die Faser von vornherein relativ sauber – ich habe das eben bei dem einen Bauern gesehen – und kann direkt so, quasi aus dem Sack, versponnen werden. Oder zumindest haben die das gemacht. Das fand ich auch interessant.

Constanze

Ja. Hm.

Gabriele

Ich habe selber noch kein Alpaka versponnen. Vielleicht sollte ich das mal tun, als nächstes.

Constanze

Ja, probier das mal.

Gabriele

Weil das würde mich interessieren. Vielleicht auch sogar in Mischung mit etwas anderem Regionalem hier. Eben einer Schafwolle oder – oh ja! Ich glaube, das ist ein schöner Spinntest für den kommenden Herbst. Ich besorge mir steirische Alpaka und steirische Schafwolle und probiere mal in verschiedenen Mischungen das aus, zu spinnen.

Constanze

Ja, auch mal, wie das nur für sich versponnen wird. Ob das wirklich schwer zusammenhält.

Gabriele

Ob es leicht reißt, oder wie das ist. Ja. Spannend. Wie schaut es aus mit der Ökobilanz von dieser Faser?

Constanze

Scheint ziemlich gut zu sein. Was ich gefunden habe, ist das ja auch so… Klar, der Weg aus Südamerika ist weit, aber dass es da relativ extensiv gehalten wird, auf großen Flächen, die anders landwirtschaftlich nicht nutzbar sind, diese Herden gehalten werden. Und dass das auch eine Einkommensquelle ist für abgelegene Menschen in abgelegenen Gegenden, wo es sonst nicht so viel gibt, womit man Geld verdienen könnte. Und es ist halt auch eine Tierhaltung, die seit ein paar 1000 Jahren so in dieser Form auch stattfindet. Es ist nicht so wie hier bei uns mit den Kühen, dass sich die Kuhhaltung von vor ein paar 100 Jahren zu heute extrem verändert hat, sondern dass es im Grunde eine Tierhaltung ist, so wie sie da schon seit sehr langer Zeit in diesem Ökosystem stattfindet. Also dass diese Tierhaltung nicht dazu führt, dass sich die Landschaft verändert, oder dass sich die Bedingungen verschlechtern. Dass da die oberen Erdschichten abgetragen werden und so was. Also alles, was so intensive Tierhaltung zum Beispiel von Kaschmirziegen bewirken kann, dass sich das Ökosystem dadurch verändert. Und ich glaube, nach dem, was ich gelesen habe, ist das in Südamerika bei der Alpakahaltung nicht der Fall.

Gabriele

Und es wurden auch diese Alpakas nicht so hochgezüchtet wie eine Milchkuh, die heutzutage zehn Liter [Milch] am Tag gibt oder so was Arges.

Constanze

Nein, die sind so wie sie sind. Die sind ja auch immer im Freien unter diesen Lebensbedingungen, wo sich viele andere Tiere nicht aufhalten können.

Gabriele

Genau. Und nachdem es eine Naturfaser ist, nachdem die direkt von den Tieren kommt, solange nicht irgendwelche Polyamide oder irgendwas beigemischt wird, um zum Beispiel die Haltbarkeit von Sockenwolle aus Alpaka zu verbessern… Wie wir schon vorher gesagt haben: Sockenwolle aus Alpaka ist eigentlich ein Widerspruch in sich. Das ist so ähnlich wie Merino. Es ist eigentlich Alpaka, viel zu weich für Sockenwolle. Die werden innerhalb kürzester Zeit durchgewetzt.

Constanze

Ja, nicht haltbar genug. Das glaub ich auch, dass man da sich ganz schnell Löcher reinläuft.

Gabriele

Ja. Was allerdings… Ich glaube, die Alpaka Faser hat ja ganz viele Lufteinschlüsse. Und dadurch ist es super isolierend, sodass es zum Beispiel extrem gern verwendet wird für Skiunterwäsche und solche wirklich ganz feine und dünne, aber sehr stark isolierende Kleidungsstücke für Menschen. Und wie gesagt: Solange nicht irgendein Poly-Dingsbums beigemischt wird, kann man das auch im Grunde am Ende des [Produkt]Lebens kompostieren. Weil es ja eine Naturfaser ist. Genau. Ach ja, und was mir noch einfällt: Ich glaube, in Südamerika – so wie du gesagt hast – das wird vor allem in Gegenden gehalten, wo es sonst teilweise nicht so viel Einkommen gibt. Und soweit ich weiß, gibt es auch einige Fairtrade- und Frauen-Projekte, wo wirklich die die Bevölkerung vor Ort unterstützt wird. Also wenn man Alpaka-Fasern kauft, dann kann man auch ein bisschen danach schauen, nach Labels oder Organisationen, die sich darum bemühen dass, wenn es schon von weit weg kommt, zumindest Initiativen vor Ort unterstützt werden.

Constanze

Ja, ich glaube, das ist oft in Kooperativen organisiert. Dass mehrere Dörfer, oder die Tierhalter aus einer Gegend sich zusammenschließen und das gemeinsam vermarkten, damit sie größere Mengen haben, die sie auf den Markt bringen können, und auch bessere Bedingungen für sich rausschlagen können, und das relativ direkt geht, ohne viele Zwischenhändler.

Gabriele

Und die Kooperativen haben ja auch die Möglichkeit eines gemeinsamen Marketings. Und gerade wenn es um internationalen Warentransport geht, das wird ein Kleinbauer überhaupt nicht allein packen. Gut. Hast du noch was zu erzählen, was du uns noch sagen möchtest?

Constanze

Nein, eigentlich war es das.

Gabriele

Wunderbar.

Constanze

Über das Alpaka, und das Vikunja, und das Guanako, und das Lama.

Gabriele

Und das Lama. Sehr schön. Vielen lieben Dank für diesen Einblick, und ich freue mich auf unsere nächste Folge.

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