Besuch bei Wieserhof Alpakas

Lesedauer 5 Minuten

Aktualisiert am 13. Oktober 2021.

Ein schöner Herbstausflug zu einem sympathischen Alpakahof in der Steiermark.

Es ist ein wunderschöner Samstag im Oktober, das Obere Murtal strahlt in der Herbstsonne. Ich bin auf dem Weg zum Wieserhof, wo heute ein Tag der offenen Tür mit Schau-Werken stattfinden soll. Bei Rothenthurm biege ich auf eine schmale Straße ab, die flankiert von Einfamilienhäusern in ein Tal hinein führt. Als ich in Serpentinen durch einen Wald hinaufgekurvt bin und nicht mehr weiterkomme, sagt ein hilfsbereiter Mann: „Falscher Graben!“ Das Navi hat mich in die Irre geleitet. Besser ist es, mich analog zu orientieren und einfach den grünen Wegweisern zu folgen, die den richtigen Weg zum Wieserhof weisen.

Steile Wiesen: Der Wieserhof ist ein Bergbauernhof

Wieder geht es steil durch den Wald hinauf. Oben öffnet sich der Weg zu Wiesen und Gebäuden, dort erfahre ich: Die große Veranstaltung ist eigentlich zwei Tage zuvor aus Corona-Gründen abgesagt worden. Aber ich darf trotzdem bleiben, weil nur wenige Leute da sind und wir uns großteils im Freien aufhalten. Im Grunde ein Glück für mich: So kann sich Heidi Liebminger Zeit für ein ausführliches und anregendes Gespräch mit mir nehmen!

Wie die Alpakas auf den Wieserhof kamen

Als das Ehepaar Liebminger den Hof von den Eltern übernommen hat, wollten sie eigentlich nur dort wohnen: Die Weiterführung der arbeitsintensiven Milchwirtschaft mit Kühen kam für sie nicht in Frage, weil beide – Heidi und ihr Mann Robert – in anderen Bereichen vollzeit berufstätig waren. Nach der Geburt der drei Töchter wurde der studierten Wirtschaftspädagogin aber klar, dass sie nicht in ihren anspruchsvollen Vollzeitjob im Sozialbereich zurückkehren konnte und wollte. Aber was sonst? Wie könnte sie ihre wunderbaren Ressourcen – den Hof und den dazu gehörigen Grund – am besten nutzen?

Heidi Liebminger trägt eine handgestrickte Jacke aus Wolle von den eigenen Alpakas.

Durch Zufall stieß Heidi in einer Zeitschrift auf einen Artikel über Alpacas, der sie sofort angesprochen hat. Anknüpfend an ihren Sozialberuf hatte sie ursprünglich die Idee, mit den sanften Tieren in Richtung tiergestützte Therapie zu gehen. Daraus entwickelte sie ein Angebot mit Wanderungen und ein Programm für Schulklassen (Schule am Bauernhof), zusätzlich ist der Wieserhof auch ein „Auszeithof“ (Green Care Betrieb), wo man Ruhe und Kraft tanken kann. Der Betrieb ist breit aufgestellt mit Alpaka-Zucht, Bildungsangeboten, Alpaka-Produkten im eigenen Hofladen und Handarbeits-Workshops. Dieses Angebot hat sich organisch und stimmig entwickelt.

Ein feines Team

Dass Heidi und Freundinnen Angebote in Richtung Handarbeiten entwickeln würden, war zunächst gar nicht geplant. Aber als die Alpakas dann geschoren werden mussten, stellte sich natürlich die Frage: Was man jetzt mit der Wolle? Ihre Freundin Claudia kam einmal, um am Hof zu helfen, und ist quasi „picken geblieben“: Claudia leitet jetzt die Filzworkshops.

Gefilzte Sitzauflagen am Lagerfeuerplatz.

Die ehemalige Handarbeitslehrerin Irmtraud kam dazu und hat allen das Spinnen beigebracht. Auch ihr Wissen zum Färben und Stricken gibt sie gerne weiter.

Irmtraud testet ein Spinnrad. Am Holzherd im Hintergrund kocht ein Alaun-Sud, in dem Wolle gefärbt wird.

Dann hat Christa Feuer gefangen, die von ihrer Tochter zum Muttertag einen Gutschein für einen Spinnkurs bekommen hatte. Seidem ist sie ebenfalls im Team und kümmert sich derzeit besonders um das Spinnen mit der Handspindel.

Christa mit der Handspindel. Auf dem Stock sind Färbeversuche
mit verschiedenen Pflanzen und mit Rost zu sehen.

„Als die Kinder noch kleiner waren, hab ich ja gar nicht die Ruhe gehabt, mich hinzusetzen und eine Jacke zu stricken. Aber jetzt geht das wieder“, sagt Heidi. Jeden ersten Mittwoch im Monat trifft sich eine feine Runde zum Handarbeiten, zum Spinnen, Stricken und Plaudern. Das ehemalige Gesindehaus, das jahrelang leer stand, haben sie renoviert und wieder in Betrieb genommen. Es beherbergt heute den Hofladen und den gemütlichen Raum für die Workshops.

Eingang zum Hofladen im Gesindehaus.

Produktion in der Steiermark

Die eigenen Alpaka-Produkte enstehen nicht alle direkt am Hof, aber in der näheren Umgebung. Die Alpakas werden am Hof geschoren (ein Scherer kommt von extern), dann wird die Wolle noch am Hof kardiert und von den gröbsten Verunreinigungen befreit. Anschließend bringt Heidi den Großteil der Wolle entweder zur Alpakawollmühle in Gnas (150 km entfernt), wo sie versponnen und zu Knäueln gewickelt wird, oder zu Erikas Wollwerkstatt in Mürzhofen (80 km entfernt), die Steppdecken, Pölster, gefilzte Schuheinlagen und Sitzunterlagen daraus herstellt. Die lokale Apotheke stellt für Heidi Alpaka-Seife her.

Zusätzlich zu den eigenen Produkten führt Heidi im Hofladen auch gedrechselte Handspindeln, sowie ergänzend Produkte der Firma Apu Kuntur, eines Familienbetriebes, der faire und nachhaltige Alpaka-Produkte in Peru herstellt.

Fazit

Das war ein äußerst feiner Nachmittag, bei dem ich sehr nette und engagierte Menschen kennengelernt habe. Es reizt mich, dort einen Spinnkurs zu besuchen. Ein Ausflug zum Wieserhof lohnt sich jedenfalls!

Facts & Figures

Webseite: https://www.wieserhof.at/

Materialien/ Rohstoffe: Im Hofladen gibt es Wolle vom eigenen Hof, Seife, Steppdecken und Filzunterlagen zu kaufen; zusätzlich Alpaka-Produkte von Apu Kuntur und gedrechselte Handspindeln. Zum Online-Shop.

Online-Shop: https://www.wieserhof.at/shop/

Kurse: Spinnen, Filzen, Stricken, Färben. Jeden 1. Mittwoch im Monat kostenlose Spinn- und Handarbeitsrunde. Hier findest Du die kommenden Termine.

Ausflugsziel: Der Wieserhof ist ein hübsches Ausflugsziel mit Alpakawanderung oder für einen Workshopbesuch. Zu ausgeschriebenen Terminen und nach telefonischer Vereinbarung.

(Dieser Artikel ist zuerst erschienen auf dem Textilblog madewithbluemchen.at am 16. Oktober 2020.)

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