Alpaka-Expo 2018 in Graz: Liebenswert wollig

Lesedauer 4 Minuten

Aktualisiert am 12. Oktober 2021.

Vom 16.-18. Februar 2018 fand in der Messe Graz die erste internationale Alpaka-Expo statt. Eine Mischung aus Landwirtschafts- und Textil-Ausstellung, bei der viel über diese flauschigen, knuffigen Tiere zu erfahren war.

Tiere

Es war eine Messe für landwirtschaftlich Interessierte, für die Zuchtbetriebe aber auch für Konsument/innen. 10.000 Menschen besuchten an drei Tagen (Freitag bis Sonntag) die Expo. Die meisten Ausstellerinnen, mit denen ich gesprochen habe, hatten mit so einem Ansturm nicht gerechnet, waren aber natürlich darüber erfreut.

Alpakas gibt es von Natur aus in vielen Farbschattierungen.

Bei der Expo gab es für die Zielgruppe Landwirt/innen alles, was zur „Produktion“ von Alpakas nötig ist  (Angebote von Zuchthengsten, Futtermittel, Stallbauten, Transport-Anhänger, Klauenscheren,…) und für die Zielgruppe Konsument/innen alles, was von Alpakas verwertet werden kann: Wolle, Kleidung und Bettdecken daraus, Seifen und Pflanzendünger.

Dass dazwischen auch Produkte aus Zirbenholz, energetisiertes Wasser, ätherische Öle und Whirlpools an Ständen angeboten wurden, fand ich ein bisschen skurril, aber es hat mich auch nicht wirklich gestört.

An Züchtern waren viele kleine steirische Betriebe vertreten, von denen manche ihre Zucht gerade erst mit einer Handvoll Alpakas beginnen, aber auch einige größere und internationale Züchter, die zum internationalen Zucht-Wettbewerb angereist waren. Spannend und für mich völlig fremd die Formulierungen der Züchter, wie manche ihren Betrieb anpreisen: „Eingekauft wurde überwiegend ausgezeichnete Genetik“.

Von der landwirtschaftlichen Seite wird das Alpaka als genügsam angepriesen, es verursacht durch seine weichen Füße und seine Art zu grasen kaum Erosion auf den Bergweiden, und Alpakas sind sehr „leise“ Tiere: Sie muhen und mähen und meckern nicht, sondern verständigen sich durch ein leichtes Summen. (Habe ich gelesen, aber nicht gehört. Es war so still bei der Messe.)

Produkte

Als Textil-Bloggerin habe ich mich vor allem für die Produkte interessiert. Die angebotene Kleidung stammte vorwiegend von zwei großen Händlern/Marken, die ihre Textilien via Fairtrade direkt aus den Anden beziehen, und wirkte durchwegs industriell produziert. Daher wiederholten sich auch die Modelle und Muster an einigen Verkaufsständen. Diese Mode hat nur wenig mit „Anden-Mode“ zu tun, wie wir sie von Weihnachtsmärkten von früher her kennen (nämlich eher dicke, grob verstrickte Wolle), sondern es sind durchwegs warme Erdtöne in Mustern und Modellen, die an den europäischen Geschmack angepasst wurden.

Nur an einem Stand gab es handgestrickte Mützen und Loops von einem steirischen Alpakahof zu kaufen, an einem anderen Stand wurde das Spinnen und auch Filzen vorgeführt. Ansonsten war eher wenig „handmade“ zu sehen.

Ich mag das ja bekanntermaßen sehr, wenn ich weiß, woher die Güter kommen, die ich konsumiere, und unter welchen Bedingungen sie produziert werden – und am liebsten auch hier regional. Aber von den heimischen Produzent/innen, mit denen ich gesprochen habe, verspinnt kaum jemand die Wolle selbst: Die meisten liefern ihre Woll-Fleece an eine österreichische Firma, die sie zu Pölstern und Bettdecken verarbeitet. Die Alpaka-Faser eignet sich sehr gut als Füllung für Bettzeug, aber auch auch für Funktionsunterwäsche, da die Faser sehr leicht und fluffig ist und viel Feuchtigkeit aufnehmen kann. Aber die versponenne reine Faser reißt auch relativ leicht, daher wird Alpaka zum Verstricken gerne mit Schafwolle gemischt und für Sockenwolle mit Polyamid, wie andere Sockenwolle auch.

Der Spagat zwischen Landwirtschaft und Mode auf dieser Expo war witzig, aber aus meiner Sicht durchaus gelungen: Während auf der einen Seite der Halle professionelle Models mit kühlem Blick und festem Tritt die Kleidung aus Alpaka-Fasern vorführten, trippelten auf der anderen Seite flauschige Tiere auf kleinen Füßchen zur Bewertung und schauten teils nervös in die Runde.

Professionelle Modenschau

Die Produktion von Alpaka-Fasern macht nur einen Bruchteil der weltweiten Wollproduktion aus, aber der Trend steigt.

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Wenn Du mehr über Alpakas erfahren möchtest, schau Dich am besten auf der Webseite des Österreichischen Alpakazucht-Verbandes um, auf der sehr viel Wissenswertes zusammengetragen wurde. Dort gibt es auch einen Nachbericht zur Expo aus der Sicht der Veranstalter, mit viel mehr Fotos von den Tieren und vom Zuchtbewerb.

(Dieser Artikel ist zuerst erschienen auf dem Textilblog madewithbluemchen.at am 18. März 2018.)

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